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Deutschland braucht mehr Koffein: Die Trend-Colas kommen


Von Inga Wermuth

Neue deutsche Cola-Sorten haben ganze Fangemeinden aufgeweckt. Stark koffeinhaltige Sorten "Made in Hamburg" nach dem Vorbild der legendären "Afri-Cola" versprechen ein Revival des Cola-Rauschs. Aber auch die alten Ostmarken "Vita Cola", "Club Cola" und "Duponia Quick Cola" werden wieder gern getrunken. Kommerz-Cola ist out - deutsche Colas sind jetzt angesagt.
 
 
Schon seit vielen Jahren liefern sich Pepsi und Coca-Cola Werbeschlachten um die Marktanteile bei den Cola-Trinkern. Konsumenten fragen sich: Welche Cola ist nun die Bessere?

Nun wird der Cola-Markt durch alternative Marken wieder neu belebt. Speziell aus Hamburg stammen die Cola-Marken Fritz-Kola, Premium-Cola und Peace-Cola. Aber auch die altbekannten Ost-Colas liegen wieder voll im Trend. Richtige Fangemeinden haben sich um so manche Cola-Marken schon gebildet. Club Cola, Vita Cola und Quick Cola haben sich ihre Verköstiger schon zu DDR-Zeiten gesichert und begeistern nun auch in den alten Bundesländern durch ihren Kultfaktor. In Brakel macht die "Hausmarke" ihre Trinker wach, denn sie ist mit Kaffee-Geschmack, der Höchstmenge an erlaubtem zugesetztem Koffein und Guarana der Wachmacher schlechthin. Slogans.de hat getestet und recherchiert:


Runde 1 - Die großen Marken:

Coca-Cola
Geschmack: süß, künstlich zitronig, metallisch, viel Kohlensäure
Der Klassiker aus den USA wurde in 1886 von dem Apotheker John S. Pemberton in Atlanta/USA erfunden. Das Tonikum mit dem Namen "Cola" sollte gegen Kopfschmerzen und Müdigkeit eingenommen werden und enthielt anfänglich auch geringe Mengen Kokain. Für 5 Cent pro Glas wird das Getränk zuerst in Soda-Bars und Drugstores angeboten. Ab 1916 wird die Cola dann in der typischen Flasche mit der eigenwilligen Form vermarktet. Frank Robinson, zuständig für die Werbung, entwickelte den Namen und das Logo. Seit 1929 wird Coca-Cola auch in Deutschland abgefüllt. 1995 wird der Geschmack der Coca-Cola geändert. Massive Verbraucherproteste erreichen eine zukünftige Produktion der Coca-Cola mit dem Zusatz "Classic". Großen Anteil am Erfolg von Coca-Cola hat sicherlich die dauerhafte Medienpräsenz durch konsequente Werbung und die überall auf der Welt identisch aussehende Cola-Flasche mit dem unverwechselbaren Logo.

Pepsi
Geschmack: sehr süß, sauer, metallisch, leicht künstlich, viel Kohlensäure
Pepsi Cola wurde von dem Apotheker Caleb Bradham aus North Carolina erfunden, kam im Jahr 1936 nach London und soll von dort aus auf den europäischen Markt gelangt sein. In Deutschland wird sie seit den 60er Jahren vertrieben. 1898 erfand Bradham das Getränk, das er zuerst "Brad's Drink" nannte. Der spätere Name "Pepsi" leitet sich von den Bestandteilen Pepsin und den enthaltenen Kola-Nüssen ab. Die Hausfarben lehnen sich an die amerikanische Flagge an, mit denen Pepsi im 2. Weltkrieg die amerikanischen Soldaten unterstützen wollte. 1902 gründete Bradham die "Pepsi Cola Company" in den Räumlichkeiten der Apotheke. 1903 wurde Pepsi offiziell als Marke registriert.

Sinalco Cola
Geschmack: sehr süß, Apfelgeschmack, leicht künstlich, viel Kohlensäure
Die Marke Sinalco ist bekannt durch die Sinalco Limonade, ehemals "Bilz-Brause", die 1899 erfunden wurde. Sinalco Cola ist ein Kultgetränk der 60er und 70er Jahre. Durch mehrfachen Besitzerwechsel hat die Marke an Format verloren, wird aber gerade wieder neu entdeckt. Im nächsten Jahr feiert die Marke ihr 100-jähriges Jubiläum. Der Markenname lässt sich vom lateinischen "sine alcohole" = "ohne Alkohol" ableiten. 1905 gilt als Geburtsjahr des aus Deutschland stammenden Softdrinks, der seit 1937 den markanten roten Punkt als charakteristisches Markenzeichen trägt.

Afri-Cola
Geschmack: süß, schön zitronig, etwas künstlich, feine Kohlensäure
Das Trendgetränk aus den 60er Jahren machte Werbegeschichte durch seine ungewöhnlichen Werbekampagnen, die der Künstler Charles Wilp (kürzlich in Düsseldorf verstorben) erdachte und provokant in Szene setzte. Afri-Cola ist die Cola einer Generation, die gegen die Diktate der Eltern revoltierte, sich sexuell befreite und den kollektiven Rausch suchte. Afri-Cola wurde 1864 in Köln geboren und 1931 als internationale Marke beim Patentamt registriert. Der Markenname verweist auf das Herkunftsland des Hauptbestandteils der Limonade: westafrikanische Kolanüsse. Afri-Cola setzte den Marktführern Coca-Cola und Pepsi, die die Masse im Visier hatten, etwas entgegen und ist zum Ende des Zweiten Weltkrieges die meistverkaufte europäische Cola. Die auffällige Positionierung und der damals sehr hohe Koffeingehalt machten die Cola bis heute zum Trendgetränk. Nach Kriegsende hatte Afri-Cola auf Grund komplizierter Rohstoffbeschaffung Mühe, den erneuten Aufstieg zu schaffen. 1999 wird die Marke von der Kölner Mineralbrunnen AG übernommen, das Getränk in seinen Inhaltsstoffen geändert sowie mit geringerem Koffeingehalt versehen. Viele Afri-Fans waren vom Geschmack der neuen Afri-Cola enttäuscht und wurden ihr untreu.


Runde 2 - Hamburg-Cola:

Premium-Cola
Geschmack: leicht süß, sehr zitroniger Nachgeschmack, leicht metallisch, feine Kohlensäure, Koffein 250mg/Liter
Das Getränk wird nach dem Original-Rezept der legendären Afri-Cola hergestellt. Das unabhängige Unternehmen, das die "Premium-Cola" auf den Markt brachte, ist ein Kollektiv, das über sämtliche Entscheidungen rund um das Produkt gemeinsam abstimmt. Die Initiatoren der "Interessengruppe Premium" sind eingeschworene Afri-Cola-Fans. Der Verkauf der Kölner Afri-Cola GmbH an die Mineralbrunnen AG und die damit einhergehende Änderung von Rezeptur und Abfüllflasche ärgerten die Afri-Anhänger. So entfachten die Cola-Fans ein aufsehenerregendes Medienspektakel, das die Erzeuger so unter Druck setzen sollte, bis die "alte" Afri-Cola wieder hergestellt würde. Da sich der Konzern trotz Protesten nicht erweichen ließ, produzieren die Fans nun seit 2002 ihre Lieblings-Cola schlicht selbst. Auf Basis des Originalrezepts hergestellt - Geheimtipp eines ehemaligen Afri-Cola-Abfüllers - wird die Cola nun in ausgesuchten Betrieben ausgeschenkt. Wichtig ist den Machern der Cola, eine ehrliche Marke zu schaffen. Deshalb werden auch alle Zutaten des Getränks genauestens auf dem Etikett ausgewiesen, die Formulierungen peinlich genau bedacht. Die Premium-Cola ist im Markenregister eingetragen, und viele renommierte Werbeagenturen haben sich laut Mitinitiator Uwe Lübbermann bereits angeboten, das Kultgetränk gewinnbringend zu vermarkten. Für das Kollektiv ist allerdings eine grundsätzlich unkommerzielle Vermarktung Voraussetzung für ein authentisches Getränk. Für den authentischen Geschmack sorgt einfaches Leitungswasser, wie auch beim damaligen Original. Übrigens werden ausschliesslich Händler, die die Idee der Premium-Cola unterstützen, mit dem Getränk beliefert.

Peace-Cola
Geschmack: kaum süß, leicht zitronig, metallisch, wenig Kohlensäure, mit Pflanzenextrakten
"Don't just drink!". "Die Idee hinter dem Produkt 'Peace-Cola' hat nichts mit Idealismus oder dem Wunsch zu tun, die Welt zu verbessern", liest man auf der Website. Trotzdem fördert Peace-Cola den Frieden überall auf der Welt. Denn mit jeder verkauften 0,33 Liter Flasche geht ein fester Spendenanteil von 3 Cent an Organisationen, die sich für den Frieden einsetzen. Durch Abstimmung der Besucher der Peace-Cola Website wird entschieden, wem der entsprechende Spendenanteil zufließt. Trotzdem strebt Peace-Cola einen internationalen Vertrieb an. Die Cola von Erfinder Jens Marsau wird seither in Hamburg und Berlin vertrieben.

Fritz-Kola
Geschmack: leicht süß, sehr zitronig, metallisch, feine Kohlensäure, Koffein laut Etikett: 250mg/Liter
Die "Fritz-Kola" wird seit 2003 von zwei Hamburger Studenten produziert. Lorenz Hampl und Mirco Wolf Wiegert sind Gründer und Macher der neuen Cola für Hamburg, die aber längst über Hamburg hinaus ausgeschenkt wird. Ausschließlich in Mehrwegflaschen aus Glas vertrieben, möchte die Fritz-Kola der "Allerwelts-Cola" eine kräftigere Cola entgegen setzen und die Cola-Monopole als unabhängiges Unternehmen angreifen. Mit der maximal erlaubten Koffeinmenge im Getränk, macht Fritz-Kola fit und ist mit einem "Hauch" Zitrone versehen. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche 0,33 Liter Cola-Dose hat zwischen 30 und 60 Miligramm Koffein. Mittlerweile ist Fritz-Kola in vielen Hamburger Clubs, Bars und Spar-Märkten erhältlich, zusätzlich auch bundesweit in Studentenstädten. So gibt sich die schicke Cola alle Mühe, das Cola-Monopol zu brechen.


Runde 3 - Ostcola-Sorten:

Club Cola
Geschmack: wenig süß, sehr sauer, etwas muffig, künstlich zitronig, wenig Kohlensäure
Beliebtes Cola-Getränk der DDR, das auf Wunsch der SED und staatlicher Institutionen entwickelt wurde. Die Forderung nach einem eigenständigen Cola-Getränk, das den westlichen Vorbildern ähneln sollte, wurde erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1966 präsentiert. Nach einem Jahr war es dann soweit: die Erstabfüllung der "Club Cola" erfolgte am 19.4.1967 im Getränkekombinat Berlin, in der Betriebsstätte an der Schönhauser Allee im Bezirk Prenzlauer Berg. Die "Club Cola" war bei DDR-Verbrauchern sehr beliebt, Partei und staatlichen Institutionen brachte der Erfolg "ihrer" DDR-Cola einen neuen Stolz. Nach der Wende 1990 kurzzeitig weniger süß vertrieben, verlangten die Ostdeutschen ihre alte Cola bald zurück. Seit 1995 gibt es die Club Cola wieder süßer. Heute wird das Getränk von einem Berliner Mineralwasser-Produzenten nach Originalrezept hergestellt und abgefüllt.

Vita Cola
Geschmack: nicht süß, sehr sauer, etwas muffig, künstlich, viel Kohlensäure,
Im Jahr 1954 wurde der Name "Vita Cola" bereits beim DDR-Patentamt als Marke angemeldet. Danach vergingen 4 Jahre, bis die Chemischen Werke Miltitz bei der zuständigen Regierungskommission eine Produktionsgenehmigung für den Vita Cola-Grundstoff beantragten. Nach dem Fall der Mauer waren zuerst die Westmarken attraktiver als die Vita Cola, wandten sich doch die Verbraucher den Marken zu, die sie so lange entbehren mußten. Um so interessanter ist die erfolgreiche Revitalisierung der Marke. Anfang 1994 nahm die Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH nach einigen Verbrauchertests die Vita Cola im Original-Outfit wieder in ihr Sortiment auf - die Rezeptur wurde allerdings geringfügig geändert. Heute ersetzen natürliche Öle aus Zitrusfrüchten die ehemals "naturidentischen Aromen". Der Geschmack blieb gleich: mit leichter Citrusnote ist Vita Cola erfrischender als viele andere Cola-Sorten und weniger süß. Seit April 2001 ist Vita Cola mit einem modernisierten Etikett auf dem Markt. Vita Cola ist heute die zweitbeliebteste Marken-Cola in den neuen Bundesländern.

Score Cola
Geschmack: schön süß, sauer, leicht künstlich, feine Kohlensäure, isotonisch, weniger Zucker (Süßstoffe)
Der süße Look trügt nicht, denn die "Score Cola" gehört mit zu den süßesten Colas am Markt. Allerdings wird dieser nicht zum "Hüftgold", denn die Süße ist diätisch. Im Raum Sachsen, in Berlin und sogar in den USA ist die hippe Cola zu haben und polarisiert durch ihr modernes, pinkes Design.

Duponia Quick Cola
Geschmack: kaum süß, sehr zitronig, feine Kohlensäure, sehr künstlich, ähnlich "Ramazzotti"-Geschmack
Nach der Wende wurde dem Unternehmen Duphorn & Franke die Verwendung des Namens "Quick Cola" für ihre ostdeutsche Cola nicht mehr erlaubt. Der Betrieb hatte statt dessen seine eigene Version, die "Q Cola", produziert, die aber identisch war mit der alten Quick Cola. Mittlerweile wird das Original wieder in 0,25-Liter-Flaschen mit Pfand in Calbe produziert. Vertrieben wird die Quick Cola hauptsächlich über Getränkemärkte in der Region.


Ehrenrunde - Brakel (Ostwestfalen):

Hausmarke
Geschmack (ohne Test): mit Kaffeegeschmack, Koffein laut Hersteller 240mg/Liter, Guarana-Zusatz
Erfinder der "Kaffee-Cola" ist Hannes Rose, derzeit Student in Hamburg und unabhängiger Unternehmer. Für die Kreation inspiriert haben den Cola-Produzenten wach machende Kaffeebonbons aus dem Handel - und er kam auf die Idee, Cola und Kaffee zu einem neuen Wachmacher zusammenzumischen. Seit März 2004 wird die Kaffee-Cola unter dem Label "Hausmarke" in der Longneck-Glasflasche von der Schlossbrauerei Rheder produziert. Das Besondere an der Cola aus Brakel ist neben ihrer Kombination von Cola- und Kaffeegeschmack der höchsterlaubte Koffeingehalt für Limonade. Der Zusatz von Guarana macht die Cola zusätzlich zum Powerdrink. Hausmarke kann man in Brakel beziehen und mittlerweile auch in einzelnen Hamburger Getränkemärkten. Als Massenprodukt ist Hausmarke-Cola jedoch nicht geplant. Statt dessen will der pfiffige Student "in erster Linie seine Freunde wach machen".


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Inga Wermuth ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von Slogans.de, Sprach- und Trendforscherin sowie Inhaberin von Satelliten Media Design in Hamburg.


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