Mono-Marken-Shops erobern die Städte

Mono-Marken-Shops erobern die Städte
In der "Chiquita Fruit Bar" ist nicht alles Banane. Die bekannte Marke bietet seit Ende 2005 am Hamburger Rathausmarkt Milchshakes, Salate, frische Fruchtsäfte und Joghurts an. Ganze Früchte können an einer Wasserquelle vor Ort gewaschen und verzehrt werden. In München und Berlin entstehen demnächst weitere Filialen. Dem wachsenden Wunsch der Konsumenten nach einer bewusst gesunden Ernährung und dem Mangel an Zeit für die Zubereitung kommt dieses Gastronomiekonzept entgegen. Vor allem aber ist die Marke hier erlebbar. Das attraktiv gestaltete Umfeld spiegelt Aspekte wie Frische, Service und Modernität wider und erschließt ganz neue Käufergruppen.

Ende April wurde mit viel Medieninteresse das weltweit erste Nivea Haus am Hamburger Jungfernstieg eröffnet und möchte mit dieser Anlaufstelle die international erfolgreiche Kosmetikmarke für seine Konsumenten erlebbarer machen. Neben dem klassischen Waren-Angebot, das hier erworben werden kann, werden auch neue Produkte aus dem Nivea-Sortiment vorgestellt. Der Kunde wird bei der Auswahl der Produkte auf Wunsch professionell von Körperpflege-Spezialisten vor Ort beraten und kann sie direkt anwenden und testen.

Flagship-Stores sind wir von den großen Luxus-Marken gewohnt, insbesondere in der Modeindustrie. Labels wie zum Beispiel Prada, Giorgio Armani oder Chanel sind die gewohnten Glanzstücke einer attraktiven Großstadt-Shoppingmeile. Marken, die eher als günstige Alltagsprodukte den täglichen Bedarf decken und die in großen Stückzahlen konsumiert werden, wurden bisher ausschließlich über den Handel vertrieben. In einer Zeit, in der Konsumenten vermehrt Handelsmarken wählen, die sich in ihrer Produktqualität kaum noch von großen Marken unterscheiden, erkennen die Markenhersteller den Wert, den eine emotionale Bindung an die Marke darstellt. Durch konventionelle Werbung wird diese immer seltener erzielt. Viel stärker ist die Sympathie gegenüber einer Marke, die einen echten Mehrwert bieten kann. Wenn die Marke mit persönlichen positiven Erlebnissen verbunden und mit allen Sinnen wahrgenommen werden kann, wenn sie im Alltag Nähe bietet. Hat der Kunde erst einmal eine persönliche Beziehung zur Marke aufgebaut, ist eine Vertrauensbasis vorhanden, die Treue garantiert. Der Unternehmens-Slogan "A Brand like a Friend" der Marke Henkel bringt den Leitgedanken für Marken der Zukunft auf den Punkt.

Auch das Gastronomie-Konzept der Marke Maggi, der Maggi Kochstudio-Treff, basiert auf der Idee, eine Marke zum Anfassen und Erleben zu schaffen. Inzwischen gibt es diese Mischung aus Snack-Bar, Shop, Kochstudio und Markeninfo an drei Standorten. 1996 eröffnete der erste Treff in Frankfurt, 2002 ein weiterer in Leipzig und Anfang 2004 die Filiale in Hamburg. Eine Auswahl an Suppen und Snacks wird hier monatlich wechselnd in modernem Ambiente serviert. Alle Produkte werden im angrenzenden Shop auch zum Kauf angeboten, und auch Kochkurse können gebucht werden. Das Konzept ist derart erfolgreich, dass aktuell in Märkten der Discounter-Kette Real das "Maggi-Kochstudio on tour" gastiert. Das Erfolgsrezept von Maggi: Alle Produkte sind in jedem Supermarkt erhältlich und die Zubereitung gelingt selbst denen, die nicht kochen können. Zudem hat es auch einen gewissen Kultfaktor, die bekannten Fertigprodukte im Restaurant zu konsumieren. Im Obergeschoss des Shops befindet sich ein kleines Produktmuseum zur Geschichte des Unternehmens, das den Markenkult unterstreicht und zeigt: die Marke ist Teil unseres Lebens. Im Zeitalter der Schnellrestaurants braucht sich eine Maggi-Tütensuppe nicht mehr hinter dem Angebot der bekannten Fastfood-Ketten zu verstecken. Die Produkte haben sich zu Hause bereits bewährt, das Vertrauen hinsichtlich Sicherheit und gleichbleibender Qualität ist groß. Der Reiz der fernen Länder in Form von Pizza, Döner oder Sushi verblasst - hier wird die alltägliche Mahlzeit zum neuen Erlebnis.

Nähe zum Kunden sucht auch das im Januar 2006 eröffnete "Frosta-Bistro" direkt nebem dem Hamburger Rathaus und bietet zur Probierstube auch gleich das kundenbindende Frosta-Blog auf der hauseigenen Website an. Hier geben Mitarbeiter aus dem Bistro und sogar die Chefetage des Unternehmens Erlebnisse und Neuigkeiten kund: "offen - ehrlich - authentisch" und "100% frei von Farbstoff- und Aromazusätzen". Mit Einblicken in intime Unternehmensbereiche möchte das Unternehmen Transparenz zeigen und Kundenherzen gewinnen.

Auch im Finanzsektor wird an transparenten, kundenorientierteren Konzepten gearbeitet. Vor allem jüngere Kunden wickeln ihre Bankgeschäfte meist über das Internet ab. Der persönliche Kontakt zur eigenen Bank schwindet. Mit Q110, der "Bank der Zukunft" geht die Deutsche Bank Gruppe hier ganz neue Wege, um Kunden in ungezwungener Atmosphäre und auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Das Banking von morgen wartet mit technischen Innovationen auf, die den Wunsch nach Einfachheit erfüllen sollen und rückt den Menschen mehr in den Mittelpunkt. Die erste Q110 Filiale in Berlin wurde Ende 2005 mit aufwändigen integrierten Shopping- und Lifestyle-Bereichen eröffnet, die man in dieser Form in einer Bank üblicherweise nicht erwarteten würde.

Hier gibt es keine Distanz schaffenden Counter - ein Trendshop bietet ausgewählte Designer-Produkte an und nach ausgiebigem Shopping in der Bank der Zukunft, kann sich der Kunde in der Lounge erholen oder die Kinder in der "Kids' Corner" zur Betreuung abgeben. Die Präsentation der Finanzprodukte wurde möglichst greifbar gestaltet. Rainer Neske, Konzernführung Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden: "Unser Ziel ist, Komplexität zu reduzieren und unsere Produkte und Angebote eindeutig und leicht verständlich darzustellen." (Foto: Deutsche Bank)

Bei Milram's Milk & More erwarten den Gast innovative Milchprodukte. Die Filialen in Hamburg und Leipzig sind eine Verbindung aus klassischer Milchbar- und moderner Coffee-Bar-Kultur. Alle Speisen und Getränke werden frisch zubereitet und können mitgenommen werden. Eine gesunde, erfrischende und leckere Alternative zum herkömmlichen Fast-Food-Angebot und mehr als man von einer Milchbar erwartet, sollen die neuen Lokale bieten. Bisher existierte noch kein gastronomisches Konzept, das Milch als Basis hat. Diese Lücke wurde durch Milram's Milk & More nun geschlossen. Die vier Grundprodukte Milch, Buttermilch, Molke und Joghurt werden einer eigens entwickelten, speziellen Zapfanlage entnommen. (Foto: Nordmilch)

Die Gastronomie- und Shopkonzepte der Zukunft versuchen Zielgruppen auf vielfältige Weise zu erreichen. Allen gemein ist hierbei die kundenorientierte Ausrichtung. Mehr service- und erlebnisorientierte Anlaufstellen machen die Marken räumlich und sinnlich erfahrbar und formen einen Ort der Heimat, an dem ich als Kunde willkommen bin und umfassend betreut werde. Hier treffen Marke und Kunde zusammen. Die Tür für einen direkten Austausch ist geöffnet, von dem beide Seiten profitieren können, um die Marken der Zukunft individuell, einfach und menschlich zu gestalten.

Bild Quellen: Beiersdorf 09.02.2020, 2007 Slogans.de

Weitere Mono-Marken-Shops:
Nespresso Boutique - Die Erlebniswelt des exklusiven Premium-Kaffees
Langnese Swirl Shop - Genieß dein Leben wie ein Eis
Ritter Sport Schokoladen - Schokolade neu erleben
Katjes Flagship Store - Bonbonerlebnis im gläsernen Gang
Inga Hahn-Wermuth
Inga Hahn-Wermuth ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von Slogans.de, Sprach- und Trendforscherin sowie Inhaberin von Satelliten Media Design in Hamburg.
© Slogans.de 22.05.2007 Alle Rechte vorbehalten

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