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Karma-Kapitalismus - Werte statt Preise


Von Inga Hahn-Wermuth

Die neue Moral. Nach Ansicht der Referenten des zwölften Trendtag in Hamburg unter dem Titel "Karma-Kapitalismus" wird nach dem Raubtier-Kapitalismus der letzten Jahre das Wirtschaftsleben in Zukunft mehr von sozialen Werten denn von Profit geprägt sein. Diese neue Wirtschaftsethik ist ein Produkt der weltweiten medialen Vernetzung und des wachsenden Bewussteins für die globalen Auswirkungen unseres Handelns.
 
 
In sämtlichen Vorträgen wurde deutlich, dass der Erfolg eines Unternehmens heute insbesondere durch dessen Moral bestimmt wird, da Konsumenten ihre ethischen Ideale zunehmend im Konsum suchen. Unternehmen empfinden eine neue soziale Verantwortlichkeit für ihre Kunden und die Gesellschaft, unsoziale Handlungen werden seitens der Konsumenten umgehend bestraft. Sie formieren sich in Netzwerken, boykottieren unsoziale oder umweltschädigende Produkte und zeigen ihre politische Einstellung durch das gezielte Kaufen präferierter Marken, die ethisch und politisch für gut befunden werden. Erfolgreiche Marken müssen im Idealfall demnach nicht nur eine hervorragende Qualität aufweisen, sondern auch einen sinnhaften Mehrwert bieten.

Medienphilosoph Prof. Dr. Norbert Bolz ist überzeugt von einem neuen Geist, der unsere Wirtschaft beseelt und einen "guten Kapitalismus" hervor bringt. Diesen Wandel sieht er in direktem Zusammenhang mit der zunehmenden Glogablisierung und Vernetzung unserer Welt. Mit gezieltem Kaufverhalten gibt der Konsument ein politisches Statement ab, Politik wird so in Zukunft indirekt durch Marken beeinflusst. An Stelle des puren "Sense making" tritt seiner Ansicht nach heute das "Heart making" als vertrauensbildender Faktor in der Wirtschaft.

Die drei Formeln einer modernen Staats- und Gesellschaftsordnung, die sich in der Französischen Revolution manifestierten, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, versuchen wir nach Bolz' These heute verstärkt umzusetzen. Nach der Verankerung von Freiheit und Gleichheit in staatlichen Grundgesetzen entsteht nun durch die mediale Vernetzung auch das Gefühl der globalen Brüderlichkeit und bildet die Wurzel einer neuen Sichtweise. "Netzwerke sind die Geburtsstätte der neuen Moral".

Der Friedensnobelpreisträger 2006 und Gründer der Grameen Bank in Bangladesh Prof. Muhammed Yunus ist der Vorreiter der Mikrokredit-Bewegung und der weltweit bekannteste Social Entrepreneur. In Bangladesch gründete er eine Bank für die Ärmsten der Armen. Konventionelle Banken vergeben Kredite im Allgemeinen nach dem Prinzip: "The more you have, the more you can get". Das Prinzip der von Yunus aufgebauten Grameen Bank basiert hingegen auf der Überzeugung: "People should not follow the bank, the bank should follow the people". Die Grameen Bank sieht den Kredit als unveräußerliches Menschenrecht und zeigt, dass es auch anders geht - sozialer und profitabler: "We focused on beggars, and it worked". Yunus, der die ersten vergebenen Kredite aus privaten Kapital und mit persönlichen Risiko ermöglichte, glaubte von Beginn an an das individuelle Potenzial und die unbegrenzte Kreativität jedes Einzelnen - und behielt recht.

Die Kundenbeziehungen der Grameen Bank sind gekennzeichnet durch ein starkes gegenseitiges Vertrauensverhältnis. Mit einer Rückzahlquote von 99% bewiesen seine Kunden, zu einem großen Teil Frauen, ein enorm hohes Maß an Pflichtbewusstsein gegenüber ihrer Bank. Sie legten das geliehene Geld so gut an, dass sie als Unternehmer bereits aktiv am Wirtschaftsleben teilnehmen und das Bildungsniveau deutlich und nachhaltig verbessern konnten. "Poverty is not created by the poor themselves, it is created by the system, by the conceptional framework" ist die Erfahrung von Prof. Yunus.

Für den Schweizer Trend- und Handelsforscher Dr. David Bosshart birgt die Größe eines Unternehmens heute ein grundsätzliches Risiko für die Gesellschaft. "Unternehmen, die zu groß werden, werden automatisch unmenschlich", so seine These, und als Beispiel führt er hier das Unternehmen Google an. "Das Unternehmen ist mittlerweile so groß und unüberschaubar, dass es für die Gesellschaft gefährlich wird", ist Bossharts Überzeugung.

Der in der Gesellschaft gewachsene Wunsch nach mehr Überschaubarkeit und Kontrolle findet Ausdruck im Öffentlichmachen von Missständen bis zur kreativen Zerstörung und Neuschöpfung, die durch die Vernetzung möglich geworden ist. Dies bringt jedoch auch einen neuen Kontroll- und Freiheitsverlust mit sich, da jeder Einzelne nun jederzeit von der gesamten Gesellschaft beurteilt und mit anderen Menschen verglichen werden kann. Immer weniger Menschen und Unternehmen können folglich ihr Schicksal und ihre Zukunft noch selbst bestimmen. So investieren sie insbesondere dort, wo sie selbst auch die Konsequenzen ihrer Handlungen überschauen können und verstärkt in Ressourcen, die nicht manipulierbar sind. Der wahre Luxus wird in Zukunft das sein, was mit Geld nicht käuflich ist: persönliches Ansehen, Lebensqualität, Kreativität, Leidenschaft, Familie, gute Gene, die Erhaltung der Natur.

Spaß möchten wir heute möglichst ohne Reue genießen, nicht auf Kosten unserer Umwelt, erläutert Prof. Peter Wippermann und wagt für die Medienindustrie die Prognose: "Die Spaß- und Witzkultur in der Werbung wird erwartungsgemäß sinken".

Für den Konsumenten sind die Konsequenzen seines Tuns durch die Vernetzung transparent und öffentlich geworden, da in der globalen Informationsgesellschaft nichts mehr geheim zu halten ist. Heute dringen die Konsequenzen des eigenen Handels verstärkt in das Bewusstsein. "Das Öffentliche wird privat, das Private wird öffentlich.", so Wippermann. Für Unternehmen bedeutet die Vernetzung die absolute Transparenz in allen Bereichen, daher sollten sie sehr genau auf ihr Handeln achten. Haltung, Beständigkeit und Kooperationsfähigkeit gilt es zu beweisen: "Haltung hat, wer die Konsumenten einbindet". Für die Zukunft ist die Aufgabe der Unternehmen nach Wippermann, nicht die Probleme der Konsumenten, sondern die Probleme der Welt zu lösen.

Auch Josephine Green, Senior Director Trends & Strategy bei Philips Design, Eindhoven, macht für die soziale "Innovation von unten" die Transformation vom Konsumenten zum "User" verantwortlich und stellte in Ihrem Vortrag neue Produktentwicklungen vor, die den Nutzer direkt mit einbeziehen.

Das Resümee: Jedes schlechte Verhalten eines Unternehmens in der Gegenwart wird sich in der Zukunft negativ auf seinen Geschäftserfolg auswirken. Marken sind zukünftig für die Wahrung der ethischen Basiswerte unserer Gesellschaft mit verantwortlich. Karma-Kapitalismus bedeutet: Gutes tun und Geld verdienen.

Weitere Informationen zum Trendtag und den Referenten erhalten Sie unter: www.trendtag.de


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Inga Hahn-Wermuth ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von Slogans.de, Sprach- und Trendforscherin sowie Inhaberin von Satelliten Media Design in Hamburg.


© Slogans.de  08.05.2007  Alle Rechte vorbehalten
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